SFB 665 Teilprojekt B6: Gemeinsame genetische Mechanismen für die sensorische Mechanotransduktion bei Berührungsempfindung und Hören

Sie befinden sich hier:

Teilprojekt B6 – Gary Lewin/Manfred Gross

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) / CharitéUniversitätsmedizin Berlin

"Gemeinsame genetische Mechanismen für die sensorische Mechanotransduktion bei Berührungsempfindung und Hören"

In unserer Studie soll die Entwicklung beim Erwerb der Mechanotransduktion durch Spinalganglien sensorischer Neurone untersucht werden. Ausgangspunkt des Projekts ist die in unserer Arbeitsgruppe kürzlich gemachte Beobachtung zweier unkonventioneller Myosinproteine. Diese führen bei Mutation zur Hörstörung bei Mensch und Maus, werden aber auch für die Adaption des sensorischen Transduktionsprozesses in den Mechanorezeptoren der Haut benötigt. Die in Frage kommenden Gene, Myo7a und Myo6, führen bei Mutation zu einer angeborenen Schwerhörigkeit beim Menschen. Die Arbeitshypothese dieses Projekts ist, dass vergleichbar zu den sensorischen Haarzellen des Ohres -, der Aufbau mechanotransduktorischer Komplexe in sensorischen Ganglienzellen durch die Aktivität unkonventioneller Myosin-Motor-Proteine geschieht.

Wir beabsichtigen neue, in unserem Labor entwickelte elektrophysiologische Methoden anzuwenden, um den genauen zeitlichen Ablauf des Erwerbs mechanosensitiver Kanäle durch sensorische Neurone während der Mausentwicklung zu bestimmen. Um diese Proteine zu untersuchen, werden wir die umfangreiche Anzahl verfügbarer Mausmutanten mit dem Merkmal "Hörstörung" bei spezifischen Defiziten unkonventioneller Myosine und ihren korrespondierenden Partnerproteine einsetzen, um die Proteine auf die Beteiligung beim Erwerb der Mechanotransduktion zu untersuchen.

Parallel zu den gewonnenen Laborstudien soll die ausführliche Patientendatei der Klinik für Audiologie und Phoniatrie an der Charité genutzt werden, um Patienten mit syndromaler und nichtsyndromaler Hörstörung (Kinder und junge Erwachsene) zu identifizieren und zugrundeliegende genetische Auffälligkeiten analog zur Maus zu untersuchen. Unsere ersten Daten weisen darauf hin, dass sich möglicherweise in einzelnen Untergruppen von betroffenen Patienten spezifische somatosensorische Veränderungen im Vergleich zu gesunden Patienten finden lassen. Zur weiteren Überprüfung werden psychophysikalische Testverfahren etabliert, um diese bei ausgewählten Patienten anzuwenden.